Wie die Gnade des Herrn mich fand

 

Ja, die Gnadenerweise des HERRN sind nicht zu Ende, ja, sein Erbarmen hört nicht auf, es ist jeden Morgen neu. Groß ist deine Treue. Mein Anteil ist der HERR, sagt meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen.
- Klagelieder 3:22-24

Diese Gnade ist ein Geschenk, das ich immer wieder unglaublich finde - im wahrsten Sinne des Wortes. Es fällt mir manchmal schwer, zu Jesus zu kommen mit meinen Sünden - mit denen, die ich immer und immer wieder tue: Teilweise schon 30 Minuten nach einem Gebet, in dem ich überzeugt und entschlossen und auch ehrlich darüber geredet habe, der Versuchung beim nächsten Mal nicht nachzugehen (Stichwort: Zucker- und Ess-Sucht; Völlerei). Und zack, 30 Minuten später klopft die Versuchung an und ich öffne ihr absolut bereitwillig und widerstandslos die Tür... 

Was Jesus dann wohl über mich denkt? Über diese Disziplinlosigkeit, Willenlosigkeit, Widerstandslosigkeit, Gleichgültigkeit, diesen Leichtsinn. Er, der vierzig Tage fastend in der Würste verbrachte und sogar dort und dann noch das Schwert Gottes auspackte - das Wort Gottes - und den Teufel damit in die Flucht schlug.

Gott hat mir während Essattacken-Völlereiphasen hilfreiche Youtube-Videos von Geschwistern geschickt (die wurden mir einfach auf meinem Handy oder beim Öffnen von Youtube angezeigt), die tatsächlich genau auf meine Situation zugeschnitten waren.

Hängen geblieben sind mir vor allem: Schaue auf Jesus Christus, nicht auf die Sünde! Und: Bewaffne dich mit drei Bibelversen, die zu deiner Situation / Versuchung passen, und verteidige dich damit, wenn der Widersacher mit seiner ziehenden Versuchung kommt.

Ich habe mir Bibelverse herausgeschrieben, und sie auch mal laut ausgesprochen im Moment der Versuchung. Hat aber nicht funktioniert: Weil mein Herz nicht dabei war - weder mit aufrichtigem Willen, der Versuchung widerstehen zu wollen (mein Herz möchte der Zucker-Versuchung ja unbedingt nachgehen) noch mit festem, echtem, vertrauendem Glauben, dass es wirklich funktionieren könnte.

Theoretisch glaube ich absolut daran! Und ich zweifle nicht an Gottes Wort - es ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert. :) An Jesus Christus und seiner Allmächtigkeit habe ich keinen Zweifel!! Aber ich zweifle irgendwie daran, dass ich als fehlbarer Mensch es schaffe, sein Wort "richtig" anzuwenden. Und daran, dass Er mich heilen und befreien möchte. Was den Glauben angeht - einerseits ist er da; ich glaube und vertraue Gott wie ein Kind. Aber ich bin mit einem "zu schön, um wahr zu sein"-Denken infiltiert.

Und ich traue halt Gott, aber mir nicht. Da kommt mir gerade in den Sinn: Wozu sollte ich auch mir vertrauen, wo ich doch weiß, wie fehlbar das menschliche Herz und Fleisch sind? - Nein, das ist nicht selbst-abwertend gemeint! Wer mit Jesus Christus geht, erkennt die Schwachheit und den Fehlerreichtum + die Bosheit des eigenen, menschlichen Herzens, und sieht (und fühlt) das absolut komplett getrennt von seinem Selbstwert in Christus - wir dürfen es getrennt sehen, sag ich mal eher. Ich denke, viele nehmen die vorbehaltlose Liebe Gottes nicht an, oder vermögen oder wollen es aus unterschiedlichsten Prägungsgründen nicht, bewusst oder unbewusst. Bis vor Kurzem zählte ich auch noch dazu, aber da hat sich total etwas geändert - ausgerechnet eine kurze Phase, in der ich einen kleinen "Abfall von Gott" hatte, gab den Anstoß dazu.

Jesus Christus nimmt einen Menschen bedingungslos an. An unserer Sündhaftigkeit by nature können wir nichts machen, deshalb ist Gott in Jesus Christus zu uns gekommen, doch dazu schreibe ich später mehr.:)

Zusammenfassend: Ich erkenne meine Unzulänglichkeit und die Schlechtigkeit  meines Herzens & ich erkenne trotzdem meinen Selbstwert so sehr wie noch nie: In Christus; denn Christus ist derjenige, der mir zeigt und vermittelt, dass er mich bedingungslos annimmt und dass er bei mir ist und bleibt bei allem, was ich tue oder nicht tue.

Ein schöner Bibelvers zu: Ich vertraue lieber auf den allmächtigen Gott, der Himmel und Erde und Sonne usw. mit einem Wort geschaffen hat, als auf mich:

 --> Und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat.
- Galater 2:20

Yees, seit der Bekehrung zum lebendigen Gott lebt Christus in mir, weil Gott, der Vater, mir seinen Heiligen Geist geschenkt hat! In manchen Situationen fühle ich das aktiv, dass Jesus Christus in mir lebt - kleine "Notlügen" zum Beispiel, würde ich jetzt nicht mehr bewusst über die Lippen bringen.
Zum Beispiel: Ich liebe es, alleine zu sein! Phasenweise etwas zu sehr. Als ich für eine Weile bei meinen Eltern zu Besuch war, bin zwischendurch ab und zu nach Hamburg gefahren. Mein Vater fragte mich, ob ich mich dort mit einer Freundin getroffen hätte. Mein Ohne-Christus-Ich hätte da halt gelogen und gesagt: Ja, mit xy habe ich mich getroffen. Damit die nicht denken, ich bin nun komplett sozial isoliert. Deshalb hätte mein ohne-Christus-Ich an der Stelle einfach gelogen - schadet ja keinem ... Doch das geht jetzt irgendwie nicht mehr.

Ich mag Ehrlichkeit nicht erst, seit ich mit Jesus gehe. Doch so eine (scheinbare!) Mini-Lüge hätte ich problemlos ohne Gewissensbisse über die Lippen gebracht. Bei der Steuererklärung habe ich in der Vergangenheit geschummelt. Auch hier kann ich sagen: Das geht jetzt irgendwie nicht mehr! Spüre da direkt Widerstand in mir - der Heilige Geist Gottes ist gegen Lüge, er kann Sünde nicht sehen.

Der Heilige Geist schenkt Sündenbewusstsein. Dass ich irgendwie total die Schlechtigkeiten und Boshaftigkeiten in mir habe, das war mir allerdings auch vor Jesus klar. Da konnte mich auch die "Das-Göttliche-lebt-in-dir, Du-bist-Licht-und-Liebe-Schiene" aus der Spiritualität nicht von abbringen. Ist ja auch offensichtlich, wenn man mal ehrlich zu sich selbst ist. Allerdings dachte ich, diese Schlechtigkeit wäre so ein persönliches Ding, die mit mir zutun hätte. Das hat sich mit dem Heiligen Geist geändert - ich weiß jetzt, dass es einfach die allgemeine Wahrheit - und Krankheit - ist, dass das menschliche Herz nicht gut ist, da braucht man sich nichts vorzumachen. Wer ehrlich ist, wird das auch bei sich erkennen, denk ich ...

Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.
- 1. Johannes 1:8

Aber: Ich weiß jetzt auch, dass Bosheit und Niedertracht in meinem Herzen absolut rein gar nichts mit meinem Wert in Gottes Augen zutun haben! Das ist vollkommen getrennt zu betrachten, und das ist sehr erleichternd. Gott liebt die Sünder, die Sünde hingegen hasst er. Sich selbst für "gut" zu erachten, ist ein Symptom von Hochmut. Da bin ich auch von betroffen - ich kenne beide Richtungen: Sowohl sich selbst zu erniedrigen als auch sich selbst zu erhöhen.

Denn von innen aus dem Herzen der Menschen gehen hervor die schlechten Gedanken: Hurerei, Dieberei, Mord, Ehebruch, Habsucht, Bosheit, List, Ausschweifung, böses Auge, Lästerung, Hochmut, Torheit; alle diese bösen Dinge gehen von innen aus und verunreinigen den Menschen.
- Jesus in Markus 7:21-23

Jesus verdeutlicht an anderer Stelle, dass Mord bereits dort beginnt, wo wir einem anderen zürnen. Wie oft stellen sich boshafte Gedankengänge ein, oder automatisches Werten und Beurteilen eines anderen Menschen, oder ein lästerndes Wort ... Das ist nicht "gut" und zeugt definitiv nicht davon, dass wir "Licht und Liebe" seien, wie es z.B. in der Spiritualitäts-Szene verbreitet wird.

Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.
- Hesekiel 36:26

Mit seinem Heiligen Geist möchte Gott uns verändern. :) Das beginnt schon stark deshalb, weil auf dem Weg mit Jesus Christus nicht mehr man selbst, sondern Gott - der uns das Leben schenkt - im Fokus ist bei allem, was man denkt und tut. Jesus Christus = der lebendige Gott ist dann Herr in unserem Leben, nicht mehr wir selbst. --> Der erste Schritt heraus aus dem Egoismus.

Und mal ehrlich: Dem Gott, der dich und mich und alle anderen Menschen aus Liebe ins Leben gerufen hat, ist doch zuzutrauen, dass er weiß, was für seine Kinder am Besten ist (besser als wir es selbst wissen). :)
Über den Heiligen Geist haben wir die direkte Verbindung zum Vater. Und der Heilige Geist ist so spannend real! Zwei Bibelverse, die die Existenz des Heiligen Geistes nahebringen, der geschenkt wird dem, der sich zum lebendigen Gott bekehrt:

Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.
- Johannes 14:23

Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten; und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, dass er bei euch ist in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn erkennt. Ihr erkennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. Ich werde euch nicht verwaist zurücklassen, ich komme zu euch.
- Johannes 14:15-18

Jesus Christus kommt mit seinem Heiligen Geist in unser Herz, wenn wir ihn als unseren Herrn und Erlöser annehmen.:) Dieser Heilige Geist ist unser Beistand, der Tröster, der uns führt und beisteht durch alle Berge und Täler hindurch.

Okay, das war ein kurzer Umweg über die Realität des Heiligen Geistes. Zurück zum Thema, wie Gott mir seine Gnade näherbrachte. Dazu erzähle ich ein wenig von meiner Zucker-/Völlerei-Sucht, weil ich anhand dieser Sünde die Gnade Gottes besser kennenlernen durfte.

Diese Zuckersucht besteht seit meiner Kindheit. Jetzt bin ich 30, und ich würde sagen, dass ich seit ca. 20 Jahren täglich fast nur Zuckerkram esse. Süßigkeiten, Gebäck, gezuckerte Cornflakes (in Kindheit und Jugend).

Momentan sind`s auch wieder um die 300g Süßigkeiten täglich. Bei `ner Attacke sind`s mindestens 500g + Herzhaftes wie Pommes, Pizza, Chips, dann noch Eis, alles so im Durcheinander. Und solche Attacken habe (aktuell: hatte) ich teilweise täglich. 10-14 Tage lang, bevor es dann für ca. 7 Tage wieder besser läuft (lief). Momentan habe ich zum Glück nicht mit diesen Essattacken, sondern "nur" mit dem exzessiven Zuckerkonsum zutun; außerhalb des Zuckers ernähre ich mich gesund.

Gestern bin ich zum Kiosk gelaufen, und habe natürlich 300g Schokolade gekauft - alles darunter vermittelt mir ein Gefühl von "Mangel". Ehrlich, ich kann nicht einfach nur eine Tafel Schokolade essen oder zwei. Ich werde richtig gezogen und getrieben. Ich kann nicht LEBEN ohne Zucker. Diesen Glaubenssatz sollte ich mal ins Gebet nehmen und Jesus bitten, ihn auszulöschen. Allerdings habe ich schon so eiiniges mit ins Gebet genommen zu dem Thema. Langfristig hat sich nichts verändert, weil ich so inkonsequent bin und recht schnell denke: Jetzt geht`s auch so, also ohne, dieses Thema besonders hervorhebend mit ins Gebet zu nehmen. Von wegen..

Oder fehlen mir einfach ein fester Glaube + aufrichtiger Wille + Vertrauen? Für den aufrichtigen Willen bete ich auch ab und zu - denn ich selbst kann nicht ehrlich den Willen entwickeln, mit dem ganzen Ess-Wahn aufhören zu wollen, egal, wie schlecht es mir davon geht.

Es läuft manchmal für einige Tage, und dann kommt wieder der Fall. Neben den chronischen körperlichen Folgen ist auch die Psyche betroffen: sobald dieser Ess-Wahn über mich kommt, zieht es mich in die Dunkelheit, Schwermut, Trägheit, Interessenlosigkeit, Antriebslosigkeit, generell in körperliche und psychische Schwere.

Und vor allem zieht es mich in die Trennung von Gott. Ich "kann" dann nicht mehr beten und Bibellesen und bin (war) absolut davon  überzeugt, dass Jesus nun keine Lust mehr auf mich hat, weil ich ja immer wieder denselben Mist baue. Traue mich nicht, mit immer demselben Kram zu ihm zu kommen. Schieße mich irgendwie selbst ins Aus. Da fällt mir etwas ein: Einmal schaltete sich auf meinem Handy automatisch ein Video ein, das mir als Vorschlag angezeigt wurde. Roxanne, eine christliche Youtuberin, der ich auf der Platform folge, redete in dem Video über Folgendes (ich schreibe es in meinen Worten, meiner Erinnerung nach):

Und zwar hatte Roxanne einen Traum, in dem Jesus an einem großen Tisch sitzt, wartend. Sie sagte, Jesus wartet auf uns, auf seine Kinder, auf seine Schäfchen - er wartet darauf, dass wir zu ihm kommen, dass wir seine Nähe und Gemeinschaft suchen. Roxanne erzählte - und das war`s, das so krass zu meiner Situation passte: Jesus würde niemals dort sitzen und seine Arme verschränken nach dem Motto "Nö, jetzt geht´s nicht" oder "Nö, jetzt nicht mehr". Er wartet immer und zu jederzeit darauf, dass wir uns ihm zuwenden. Egal, was wir verbockt haben.

Genau das dachte und fühlte ich: Dass ich jetzt nicht zu Jesus kommen kann, wegen meiner Sündhaftigkeit und Schwäche und Disziplinlosigkeit und Gleichgültigkeit usw.
Die Botschaft von Jesus Christus über Roxanne hatte mich sehr berührt und kindlich-erfreut.:)
Genauso kindlich-beruhigt hat Jesus mich bereits so einige Male, indem er mir dieses wunderbar rückversichernde Wort aus Klagelieder 3 schenkte (ich weiß, es wiederholt sich):

Ja, die Gnadenerweise der HERRN sind nicht zu Ende, ja, sein Erbarmen hört nicht auf, es ist jeden Morgen neu. Groß ist deine Treue. Mein Anteil ist der HERR, sagt meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen.

Soo schön! Aber natürlich soll ich trotzdem an dem Völlerei-Ess-Thema arbeiten. Wahrscheinlich muss ich den ganzen Ess-Sucht-Komplex wirklich intensiv jeden Tag ins Gebet nehmen. Keine Ahnung, irgendwie schleicht sich in mir so ein Denken ein, dass ich das alleine bewältigen soll. Gott kann mir die Entscheidung für oder gegen die Sünde ja nicht abnehmen, da er mir einen freien Willen schenkte. Und es wird ja einen Grund haben, weshalb er mir diese Sucht nicht einfach komplett weggenommen hat?

Es gibt Tage, da befreit Gott mich und das Verlangen nach essenessenessen ist nicht da. Doch nach einigen Tagen schleicht die Versuchung zurück, sanft und unauffällig zunächst. Der Teufel schleicht sich in unser Herz und in unsere Gedanken wie eine Schlange. Er kommt im Verborgenen, stellt sich nicht als den Fürsten der Finsternis vor.
Und er kommt mit Sätzen wie "Ein bisschen geht", "In Maßen geht doch klar." Für die Mehrheit der Menschen mag das sogar passen in diesem Zusammenhang, doch nicht bei  jmd mit einer manifestierten, handfesten, fast lebenslangen SUCHT. Einem Alkoholiker sagt man ja schließlich auch nicht: Ach, komm, ein Kurzer geht!

Und ich? Ich falle jedes Mal darauf hinein, und glaube auch noch wirklich, dass ich es dieses Mal schaffe, Maßzuhalten (Naivität und Leichtsinn sind meine Stärken + Schwächen ;) !

Dann wird es schleichend von Tag zu Tag mehr mit dem Zucker, bis der Fall in die ausgereifte Essattacke kommt, die in Völlerei ausartet. Und das geht dann taaaagelang so weiter, also der Ausstieg ist jedes Mal aufs neue ein Kampf. Weil die Dunkelheit und körperliche + psychische Schwere so kraft- und willenlos machen. Und weil ich vor Jesus weglaufe, statt zu ihm zu kommen mit dieser Last. Wobei: Da kann ich inzwischen von Vergangenheit sprechen - mittlerweile laufe ich nicht mehr so sehr weg mit der Überzeugung, nun in die Hölle zu kommen, sondern vertraue mich eher Jesus an; weil ich ihn inzwischen besser kenne und somit weiß, dass ich mich trotz Sünde an ihn wenden darf und soll.

Dass ich immer und zu jederzeit zu ihm kommen darf mit allem, was mich belastet: ob nun selbst- oder fremdverschuldet, das ist vollkommen egal! Gott nimmt uns vorbehaltlos an.

Es ist so unbeschreiblich wertvoll, das allmählich anzunehmen und zu leben: Dieses bedingungslose Akzeptiert-Werden! Vor allem ist es so wahnsinnig befreiend, sich dessen gewiss sein zu dürfen, statt sich fortlaufend selbst zu verdammen. Vielleicht kommen diese Völlerei-Essattacken deshalb nicht mehr so oft vor (nur noch phasenweise das zu viele Zucker essen), weil ich jetzt nicht mehr vor Gott weglaufe, sondern sein Angebot der Erbauung und der Vergebung und der Akzeptanz und der Liebe annehme.

Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit. Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns.
Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt;
und wenn jemand sündigt - wir haben einen Beistand bei dem Vater: Jesus Christus.
- 1. Johannes 1:9-10 + 1. Johannes 2:1

--> Und wenn jemand sündigt - wir haben einen Beistand bei dem Vater: Jesus Christus. :) Diesen Beistand, den Heiligen Geist, haben wir auch in uns, wenn wir Jesus angenommen haben (siehe Bibelverse weiter oben im Text). :) Hatte diesen Vers gar nicht im Kopf - ich hatte nur an den vorangehenden Vers gedacht. Dabei passt der so gut, da er doch deutlich macht, dass dieser Beistand - Jesus Christus - für uns da ist, wenn wir sündigen. Ein "Beweis" dafür, dass wir sehr wohl immer zu Jesus kommen dürfen und sollen, egal, was los ist.


Wenn ich Jesus darum bitte, mir den aufrichtigen Willen zu schenken, mich gegen die Sucht zu entscheiden -  also gegen den Teufel und für Gott - und daraufhin nichts Dauerhaftes passiert, was soll ich da noch machen, frag ich mich manchmal? Ich schaffe es nicht, aus mir selbst heraus den Willen aufzubringen, mit der Esserei aufzuhören. Den ganzen Tag muss ich andauernd an Essen, vor allem halt an Süßkrams, denken, egal, wie sehr ich die Bibel lese, egal, wie oft ich ins Gebet gehe (wenn ich in der Ess-Phase bin; außerhalb ist es mittlerweile nicht mehr so!). Auch wenn ich einen super erfrischenden Start in den Tag mit Jesus hatte, kommt der Fall in die Zuckerattacke. Meiner Schwachheit bin ich mir eigentlich bewusst, ich bekenne sie vor Gott. Ich darf sie vor Gott bekennen, wie wunderbar ist das! :) Einer meiner Favouriten aus der  Bibel:

Meine Gnade genügt dir; denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung. Sehr gerne will ich mich nun vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohnt. Deshalb habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Misshandlungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.
- 2. Korinther 12:9+10

Ich glaube, diese Schwachheit nehme ich noch nicht in Gänze an - oder ich habe sie noch nicht in ihrer Vollkommenheit erfasst. Leben tu ich sie wahrscheinlich nicht so richtig, weil noch zu sehr der Gedanke "Gott möchte, dass ich selbst den Willen und das Ausharren aufbringe" in mir festsitzt.

Manchmal bitte ich Jesus im Gebet darum, mich mit dem Willlen zu segnen, mit der Zuckersucht ernsthaft und konsequent brechen zu wollen. Teilweise merke ich schon im Gebet - und das spreche ich dann auch an - dass ich es nicht ernst meine, dieses Bitten um Entschlusskraft, die Zuckersucht ehrlich in Angriff zu nehmen; weil mein Herz sich soo, so, so heftig nach ZuckerZuckerZucker verzehrt. Ich werde richtig getrieben - von der Macht der Finsternis. Das hatte ich vor Jesus ja schon gewusst: Dass ich getrieben werde, von unsichtbaren Kräften. Vor kurzem habe ich einen Notizbucheintrag gefunden. Den genauen Wortlaut habe ich nicht mehr im Kopf, im Kontext war`s: Ich werde gesteuert von unsichtbaren Mächten, die mich mit Seilen in ihrer Hand haben. Habe nicht meinen eigenen, freien Willen; werde manipuliert und fremdgesteuert.

Bezogen war dieser Eintrag in dem Fall allerdings auf Konsum von Marihuana. Wie recht ich da hatte - Drogenkonsum öffnet Einfallstore für Dämonen. Kein Wunder, dass ich in dem Zustand die Präsenz einer fremden, mich-lenkenden Kraft gespürt habe. Bei Zucker- und Essattacken verhält es sich ähnlich: Diese treibende, fremde Macht ist am Werk. Ein Ex-Satanist, John Ramirez, berichtete mal darüber, dass hinter allem möglichen ein Dämon steht: Drogensucht, Suizidalität, Hurerei, Esssucht, generell Süchte und Abhängigkeiten.

Momentan möchte ich es mit Loslassen versuchen. Das ganze Thema befreit an Jesus abzugeben, an sein Kreuz, alles auf ihn zu werfen. Die Freiheit ergreifen, die Jesus Christus uns schenken möchte - die er uns schon längst geschenkt hat:

Für die Freiheit hat Christus uns freigemacht. Steht nun fest und lasst euch nicht wieder durch ein Joch der Sklaverei belasten!
- Galater 5:1

In Freiheit Zucker zu essen, ist beim ersten Versuch nach hinten losgegangen. Die Bibel sagt ja sowieso, dass wir diese Freiheit nicht für das Fleisch nutzen sollen (weiß gerade nicht, wo es steht).
Dennoch möchte ich mit Leichtigkeit und meiner Freiheit in Jesus Christus das Essthema auf die Reihe kriegen. Nicht so sehr darüber nachdenken, einfach essen. Das habe ich in der Vergangenheit schon öfter versucht (dass es ohne Erfolg war, brauche ich wohl nicht zu erwähnen), doch da war ich ja noch nicht mit Jesus Christus unterwegs.

Keinen Leistungsdruck aufkommen zu lassen, halte ich jedenfalls ganz klar für die sinnvollere Variante, als sich Stress zu machen. Stress bewirkt ja erst recht, dass ich essen "muss". :D

Das hauptsächliche Problem bei alledem war, dass ich mich verdammt habe, wenn ich in die Essfalle geraten bin. Dachte, jetzt muss ich in die Hölle. Das nahm teilweise krasse Ausmaße an.

Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig, sondern ein furchtbares Erwarten des Gerichts und der Eifer eines Feuers, das die Widersacher verzehren wird.
Hebräer 10:26-27

Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht verspotten! Denn was ein Mensch sät, das wird er auch ernten. Denn wer auf sein Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten.
- Galater 6:7+8

Bibelstellen solcher Art sind natürlich verunsichernd. Was denn nun - Rettung aus reiner Gnade, oder Rettung aus Gnade + Werken? Darüber werde ich mal einen Extra-Text schreiben, wenn der Impuls dazu da ist. Hier soll es erst einmal um die lebendigen Erfahrungen gehen, die ich mit Gott bzgl. der Gnadens-Gewissheit machen durfte.

Oft hatte ich Gedanken wie: "Wenn ich es nicht hinkriege, das zu lassen, werde ich "es nicht schaffen", zu Gott zu kommen."

Allein mit dem Denken "Ich schaffe es nicht zu Gott" hätte mir die Offenbarung der göttlichen Tatsachen ins Herz fliegen sollen: Jesus Christus ist doch gerade deshalb gekommen und für uns gestorben, WEIL wir es NICHT SCHAFFEN!

Mit Religiösität ("Ich muss selbst etwas tun, um zu Gott zu kommen.") versucht der Widersacher, uns auf die falsche Fährte zu locken - auf die Fährte, die uns die Freude im Herrn nimmt, auf die Fährte, die uns das kindliche Vertrauen zu Gott raubt. Fehlt uns (dauerhaft, chronisch) die Zuversicht und Kraft und Freude und Stärke im Herrn, schmälern wir extrem unser Zeugnis und nehmen das Geschenk Gottes nicht an: dass Jesus gekommen ist, um uns Leben zu geben. Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es in Überfluss haben. (Johannes 10:10)

Leben in Jesus Christus. Wir dürfen uns allezeit im Herrn freuen, in ihm uns bergen. Die gute Hoffnung auf ein Leben in Ewigkeit mit unserem Herrn Jesus darf uns durch dunkle Tage tragen. Apostel Paulus schrieb im Heiligen Geist den Ausruf:

Freut euch im Herrn allezeit! Wiederum will ich sagen: Freut euch!
- Philipper 4:4

Übrigens, meine Brüder, freut euch im Herrn! Euch öfter dasselbe zu schreiben, ist mir nicht verdrießlich, für euch aber bedeutet es, dass ihr fest werdet.
- Philipper 3:1

Einfacher gesagt / geschrieben, als getan. Dennoch: Die Hoffnung, Jesus Christus, ist da! Wir müssen einfach nur zu ihm kommen mit allem, was uns bewegt. Und er nimmt uns an, wenn wir an ihn glauben, nicht durch besondere Taten.

Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt.
- 2. Timotheus 1:9

Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühmt.

- Epheser 2:8+9

Jetzt aber ist ohne Gesetz Gottes Gerechtigkeit offenbart worden, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten: Gottes Gerechtigkeit aber durch Glauben an Jesus Christus für alle, die glauben.
- Römer 3:22

Wenn wir an Jesus Christus glauben, und das von Herzen, ist das allein die Gnade Gottes, die uns dazu befähigt (--> und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es) - sein Heiliger Geist, der in uns lebt, wenn wir Jesus Christus als unseren Herrn und Erlöser angenommen haben. Ich bete manchmal darum, das wahre Wesen von Gott zu erfahren, ihn in seiner ganzen Facettenvielfalt kennenlernen zu dürfen, seine Liebe für mich anzunehmen und darum, Ihn lieben zu können mit ganzer Seele, ganzem Herzen und ganzem Verstand. Das alles kann ich nicht aus mir selbst heraus tun - der Heilige Geist Gottes schenkt es mir, wenn Gott will.

Bleibt in mir und ich in euch! Wie die Rebe nicht von sich selbst Frucht bringen kann, sie bleibe denn am Weinstock, so auch ihr nicht, ihr bleibt denn in mir.
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun.

- Johannes 15:4+5

Wenn wir ohne Gott nichts tun können (nichts, das vor Gott Bedeutung und Bestand hat), bedeutet das ja im Umkehrschluss auch, dass ich die Sucht = Sünde sowieso nicht überwinden kann, ohne Gottes Hilfe.

Der Schlüssel liegt wahrscheinlich darin, in vollkommener Demut und Hingabe die eigene Schwachheit zu erkennen und anzunehmen. Das kristallisierte sich vor Kurzem während der Gemeinschaft mit einer Schwester im Herrn heraus. Wir beide kamen mit dem Thema Hochmut in dieses Treffen via Whatsapp-Call, beteten um die Anwesenheit Jesu Christi und im Laufe des Gesprächs schenkte der Herr uns Offenbarung & Erkenntnis: Es geht darum, sich ganz und gar hinzugeben mit allem, was man ist - darum, auch "das letzte Stück hinzugeben". Sich komplett zu beugen. Vollkommen auf den Boden zu gehen - im übertragenen und wörtlichen Sinn. Das ist etwas, das mir noch bevorsteht.

Zurück zur Gnade: Täglich neue Barmherzigkeit anzunehmen heißt natürlich nicht, Raum zu schaffen für absichtliche Sünde. Deshalb mache ich mir ja so viele Gedanken bei der Völlerei-Sache. Wenn reflexartig ein böser Gedanke kommt, habe ich nämlich gar keinen Selbst-Verdammungs-Impuls, denn ich lebe nunmal in dieser sündigen Natur, solange ich auf dieser Erde bin.

Denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist.
- Römer 3:22-24

Bei der Selbst-Verdammung entferne ich mich immer mehr und mehr und mehr von Gott und fühle mich extrem angeklagt, wenn ich die Bibel lese. Dann stärkt das Wort mich nicht, sondern macht mir Stress und Unruhe (---> Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. -2. Timotheus 1,7)
Anklagen tut aber  der Teufel - und wir uns selbst - nicht Gott! 

Und ich hörte eine laute Stimme im Himmel sagen:
Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich unseres Gottes und die Macht seines Christus gekommen;
denn hinabgeworfen ist der Verkläger unserer Brüder, der sie Tag und Nacht vor unserem Gott verklagte.
- Offenbarung 12:10

Und ein drittes Mal, weil dieses Wort mich mehrmals erreichte und weil es so kraftvoll ist:

> Ja, die Gnadenerweise des HERRN sind nicht zu Ende, ja, sein Erbarmen hört nicht auf, es ist jeden Morgen neu. Groß ist deine Treue. Mein Anteil ist der HERR, sagt meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen.<

Der Herr Jesus ist treu. In einer Predigt, die ich gestern gehört habe, bin ich auf einen tollen Bibelvers gestoßen, der mir selbst nie näher aufgefallen wäre: Als aber schon der frühe Morgen anbrach, stand Jesus am Ufer. - Johannes 21:4

Jesus steht dort am Ufer unseres Lebens, er ist der frühe Morgen - das Licht der Welt, das Licht in unserem persönlichen kleinen Leben.

Er möchte uns erneuern, jeden Tag neu, wie die Sonne jeden Tag neu aufgeht und Wärme auf die Erdenbewohner bringt - egal, was gestern war.

Alles, was wir tun "müssen", ist, dieses Licht anzunehmen - Jesus Christus anzunehmen, immer wieder neu. Wir sündigen immer wieder neu, und somit müssen wir auch immer wieder neu Buße tun!

Jesus steht da! Er wusste bereits am Kreuz von Golgatha, welche Sünden du und ich begehen werden; er ist für diese Sünden gestorben, er kannte sie alle! Oder wollen wir anzweifeln, dass der Gott, der den Himmel und die Erde und das Meer geschaffen hat und alles, was in ihnen ist, unwissend war darüber, welches Ausmaß unsere Sündhaftigkeit haben wird? Nein, er kannte sie alle; sowohl die Sünden vor der Bekehrung als auch die Sünden, die nach der Bekehrung noch folgen werden. Jesus Christus litt und starb dafür am Kreuz! Er vergoss sein Blut, gab seinen Leib hin für all diese Verfehlungen, die wir begangen haben und noch begehen werden.

Er starb und bezahlte bereits dafür, bevor wir geboren waren, lange bevor wir eine dieser Sünden überhaupt tun konnten. Warum sonst ruft er: Es ist vollbracht! vom Kreuz in die Welt? Es ist vollbracht, in der Ursprache = Tetelestai = Es ist bezahlt. Das mit dem Tetelestai habe ich letztens in einer wunderbaren Predigt auf dem Youtube-Kanal "Seelenretter" gehört und möchte es gerne hier mit euch teilen. Finde das so schön anschaulich, mit diesem Tetelestai = es ist bezahlt. Weil genau das eben auf dem Kreuz von Golgatha passiert ist.

Der, der Sünde nicht kannte, hat die Strafe auf sich genommen, die wir Menschen von Gott - vor Gott - verdient haben. Aus Liebe gab er sein Leben für uns hin.

Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, um es wiederzunehmen. Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selbst. Ich habe Vollmacht, es zu lassen, und habe Vollmacht, es wiederzunehmen. Dieses Gebot habe ich von meinem Vater empfangen.
- Johannes 10:17+18

Zu dem Thema Vergebung der Sünden habe ich noch einige wunderbare Zeugnisse, die ich gerne mit euch teilen würde.

Als ich sehr am Zweifeln war, dass / ob meine Sünden wirklich vergeben sind - die Völlereisünde insbesondere, weil ich sie halt immer und immer wieder begehe, trotz mehrerer Mahnungen, die ich durch Gottes Wort erhalten habe - bin ich auffallend oft auf eine Bibelstelle gestoßen.

Einmal habe ich im Gebet um eine Bibelstelle gebeten, andere Male habe ich "zufällig" dort aufgeschlagen (innerhalb eines gewissen Zeitraums, wo ich diese Zweifel über die wahrhaftige Vergebung meiner Sünden hatte): Markus 15, den Blick auf Höhe der Verse 24-34: Die Kreuzigung Jesu Christi.

Krass, oder? Der Ausruf "Es ist vollbracht" kommt in diesem Evangelium zwar nicht vor, aber der Ausruf "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" und halt die Kreuzigung an sich. Das Kreuz. Das Kreuz ist das Symbol für die Vergebung unserer Sünden, weil Jesus sie am Kreuz getragen & bezahlt hat - aus Liebe zu uns. Dort erfuhr Jesus die für ihn bis dahin unbekannte Trennung von seinem Vater im Himmel, schrie seinen Kummer darüber in die Welt hinaus.

Und warum war Jesus da zum ersten Mal getrennt von seinem Gott? Weil der Dreck der Welt - aus deinem und meinem Leben - auf seinen Schultern lastete. Da konnte Gott natürlich nicht hinschauen. Das Wort Gottes bezeugt sogar, dass Gott Gefallen daran hatte, ihn zu zerschlagen. Die Sünde muss einmal bestraft werden, weil Gott nunmal heilig ist und gerecht. Und Gott sei Dank ist Gott vor allem auch Liebe und Barmherzigkeit.

Zweifel über die Vergebung meiner Sünden hatte ich nach dieser Bibelstelle aber immer noch. Dann zog mich ein Ziehen im Herzen zu meinem Regal, in dem ich ein Buch stehen hatte von dem Pastor Wilhelm Busch: "365 mal Er". Ein Bibelvers für jeden Tag mit Erläuterungen des Pastoren.

Es war der 30.12., also suchte ich die Seite für den 30.12. Und ihr glaubt nicht, welcher Bibelvers für diesen Tag dort prangte: Deine Sünden sind dir vergeben. Diese Worte schenkt Jesus diversen Menschen in der Bibel. Und diese Worte spricht er auch dir und mir zu. :)

Als ich Gott noch nicht so kannte,  wie jetzt, hatte ich keine Heilsgewissheit. Weil ich halt diese Sucht-Sünde habe, die sehr chronisch und ständig-wiederkehrend ist, obwohl Gott mich durch sein Wort so sehr angesprochen hat, dass das nicht "gut" ist in seinen Augen. Etwas härtere Bibelstellen haben mich sehr entmutigt; ich hatte mich zurückgewiesen gefühlt und dachte, jetzt muss ich halt in die Hölle, führt kein Weg dran vorbei. Dabei sind "harsche" Bibelstellen nicht vernichtend gemeint. Menschen, die selbst Kinder haben, wissen oder verstehen das bestimmt besser als ich.

Die Zucht des HERRN, mein Sohn, verwirf nicht, und lass dich nicht verdrießen seine Mahnung! Denn wen der HERR liebt, den züchtigt er wie ein Vater den Sohn, den er gern hat.
- Sprüche 3:11+12

Und dass meine Völlerei nicht gesund und gut für mich ist, leuchtet ja ein. Da macht es nur Sinn, dass Gott als der liebende Vater mich vielleicht mal etwas härter darauf hinweist, dass mich ein Unheil trifft, wenn ich nicht vom bösen Weg weiche. Ich habe bereits chronische gesundheitliche Probleme dadurch, die nur heilen können, wenn ich damit aufhöre. Und wenn ich das Verhalten nicht ändere, werden weitere Schäden hinzukommen. Das möchte ein liebender Vater natürlich nicht für sein Kind.

Was die Unsicherheit bzgl. Heilsgewissheit angeht, da brauchte ich einfach eine Antwort. Ich hatte Gott recht eindringlich gefragt, ob es okay ist, stumpf darauf zu vertrauen, dass er mich rettet, trotz meiner z.T. vorsätzlichen Sündhaftigkeit. Denn ich sündige sehr vorsätzlich, irgendwie. Da ich ja Nein sagen könnte zum Zuckerkonsum. Naja, gleichzeitig kann ich das offenbar wiederum nicht, somit ist es nicht direkt vorsätzlich. Whatever, Gott weiß viel besser, was genau da in mir vorgeht, warum ich das tue, warum ich das nicht endgültig-bewältigt bekomme.

Klagelieder 3:22-26 hatte ich damals zum ersten Mal als Antwort bekommen. Bisher habe ich nur die Verse 22-24 erwähnt, weil ich die darauf folgenden für die jetzige Stelle aufheben wollte - für die Frage, ob es wirklich in Ordnung ist, stumpf auf Gott zu vertrauen, obwohl die Zuckersucht zwischen uns steht:

Gut ist der HERR zu denen, die auf ihn harren, zu der Seele, die nach ihm fragt. Es ist gut, dass man schweigend hofft auf die Rettung des HERRN.
- Klagelieder 3:25+26

Es ist gut, dass man schweigend hofft auf die Rettung des HERRN. Wahnsinn, dass man manchmal so richtig eindeutige Antworten aus dem Wort Gottes bekommt. :) Wie schon erwähnt - natürlich sollen wir nicht bewusst absichtlich sündigen und die Sündenvergebung leichtfertig und achtlos behandeln. Es geht um das Herz, denke ich. Gott kennt das Herz, er studiert und erforscht es. Er kennt die Beweggründe, die Ursachen für Verhaltensweisen, Denkmuster usw. 

Wer den Herrn Jesus sucht, in Gebet und Schrift, der wird ihn finden. Wer sucht, der wird finden, das verspricht uns Gott in seinem Wort. Und wir dürfen ihn um erdenklich alles bitten. Darum, dass wir anfangen, die Sünde zu verachten, so, wie er es tut. Dass wir beginnen, zu lieben, was er liebt. Dass wir ihm ähnlicher werden - damit wir die eher vorsätzlichere Sünde gar nicht mehr tun können.

So, das war`s für heute mit diesem Thema. 

Herr Jesus Christus,
bitte hilf uns, im Falle einer Versuchung zu dir zu kommen, statt ihr nachzugehen. Schenke uns feste Entschlusskraft im tiefsten Herzen, dass wir aus Liebe zu dir und aus absoluter Überzeugung gegen eine Versuchung ankämpfen wollen. Bitte schalte dich in Momenten der Versuchung aktiv mit deinem Heiligen Geist ein, damit er uns dazu leitet, ins Gebet zu gehen, statt der Versuchung zu folgen. Hilf uns dabei, die Sünde zu verachten, so wie du sie verachtest. Und hilf uns bitte, das zu lieben, was du liebst, Herr Jesus. Dein Heiliger Geist soll bitte groß in uns werden, nicht die Sünde, nicht die Welt! 
Amen.